Eine neue Studie der Umweltorganisation Greenpeace zeigt, dass die europäischen NATO-Staaten zusammen mit Kanada Russland in vielen militärischen Bereichen deutlich übertreffen. Die Untersuchung wurde in Berlin vorgestellt und trägt den Titel „Europa allein zu Haus?“.
Laut der Analyse geben die europäischen NATO-Mitglieder und Kanada zusammen deutlich mehr Geld für ihre Streitkräfte aus als Russland. Im vergangenen Jahr lagen die Verteidigungsausgaben bei rund 626 Milliarden US-Dollar, was etwa 540 Milliarden Euro entspricht. Russland habe im gleichen Zeitraum etwa 190 Milliarden US-Dollar für das Militär ausgegeben.
Die Studie betont, dass Europa auch ohne die Unterstützung der USA in wichtigen militärischen Kategorien zahlenmäßig überlegen sei. Besonders deutlich werde dies bei Kampfflugzeugen, Kriegsschiffen und Artillerie.
Nach Angaben der Untersuchung verfügen die europäischen NATO-Staaten und Kanada über etwa 2.215 Kampfflugzeuge, während Russland rund 1.064 besitzt. Auch bei Kriegsschiffen liegt Europa mit 143 Einheiten deutlich vor Russland mit 34 Schiffen.
Im Bereich der Artillerie nennt die Studie 15.896 Systeme auf europäischer und kanadischer Seite, gegenüber 5.976 auf russischer Seite. Die Autoren sehen darin einen klaren Hinweis auf die strukturelle militärische Stärke Europas.
Greenpeace Deutschland Greenpeace Deutschland erklärte, dass Europa über enorme Verteidigungsressourcen verfüge. Selbst ein möglicher Rückzug der USA aus der NATO würde diese grundlegende Überlegenheit nicht vollständig verändern, so die Einschätzung der Studie.
Gleichzeitig weist die Untersuchung auf Probleme in der europäischen Sicherheitspolitik hin. Trotz der hohen Gesamtausgaben fehle es laut den Autoren an Koordination zwischen den einzelnen Staaten. Dies führe zu einem teuren und teilweise ineffizienten Rüstungswettlauf.
Die Studie kritisiert, dass viele europäische Länder parallel eigene Rüstungsprojekte verfolgen, statt stärker gemeinsam zu planen und zu beschaffen. Dadurch würden Ressourcen nicht optimal genutzt.
Die Autoren der Studie warnen, dass diese fehlende Abstimmung langfristig die Effektivität der europäischen Verteidigung schwächen könnte, obwohl die Zahlen auf eine starke militärische Basis hindeuten.
Die Veröffentlichung der Studie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Debatte über europäische Sicherheit und die Rolle der NATO intensiv geführt wird. Besonders der Umgang mit möglichen geopolitischen Spannungen und die zukünftige Verteidigungsstrategie Europas stehen im Mittelpunkt politischer Diskussionen.
Insgesamt zeigt die Analyse ein klares Bild: Europa verfügt über erhebliche militärische Kapazitäten, steht aber gleichzeitig vor der Herausforderung, diese Ressourcen besser zu koordinieren und strategisch effizienter einzusetzen.

