Am Ostersonntag erreichte der Dieselkraftstoff ein neues Allzeithoch von 2,440 Euro pro Liter und stieg am Montag auf 2,487 Euro. Auch Super E10 verzeichnete Anstiege auf durchschnittlich 2,235 Euro. Der ADAC bewertet die Preise als weiterhin zu hoch und sieht keine Entspannung. Die seit 1. April geltende Regelung, die nur eine Preiserhöhung um 12 Uhr erlaubt, hat die Situation nicht entschärft; stattdessen nutzen Mineralölkonzerne diese Zeit für deutliche Aufschläge, was das Preisniveau insgesamt eher erhöht. Die Einführung dieser Regel nach österreichischem Vorbild hat somit bisher nicht die gewünschte Wirkung erzielt.
Die Hauptursache für die explodierenden Spritpreise liegt im sogenannten Irankrieg, der die Passage durch die Straße von Hormus am Persischen Golf stark beeinträchtigt. Dadurch kommt kaum noch Öl und Gas aus dieser wichtigen Region durch, was zu einer massiven Verknappung auf den Weltmärkten führt. Der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent mit Lieferung im Juni stieg zum Wochenstart auf über 111 US-Dollar je Barrel, fast 40 Dollar mehr als vor Kriegsbeginn. Dieser Anstieg der Rohölpreise und die anhaltende geopolitische Unsicherheit lassen keine schnelle Entspannung für die Verbraucher an den Zapfsäulen erwarten.
Die Bundesregierung hat verschiedene Maßnahmen zur Entlastung der Autofahrer in Betracht gezogen. Dazu gehören erweiterte Befugnisse für das Bundeskartellamt, um Preissteigerungen zu prüfen und gegen überhöhte Preise vorzugehen. Diskutiert werden zudem temporäre Entlastungen wie eine Erhöhung der Pendlerpauschale, eine Pauschalentlastung über Kfz-Steuerdaten, sowie befristete Senkungen der Energie- und Stromsteuer. Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) plädiert für einen „flexiblen Preisdeckel“ nach belgischem oder luxemburgischem Vorbild. Darüber hinaus wird die Einführung einer „Übergewinnsteuer“ auf kriegsbedingte Profite von Mineralölkonzernen auf europäischer Ebene vorangetrieben, um Profiteure des Konflikts zur Kasse zu bitten. Auch ein Tempolimit auf Autobahnen wird als Signal diskutiert.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche lehnt jedoch die Mehrheit dieser Vorschläge ab und gerät zunehmend unter Druck, auch aus ihrer eigenen Partei. Ihre Ablehnung von Steuersenkungen und der Vorschlag einer erhöhten Pendlerpauschale stoßen auf starke Kritik. Dennis Radtke vom CDU-Arbeitnehmerflügel bemängelt, dass dies an der „Lebensrealität vieler Menschen vorbeigeht“ und Geringverdiener kaum entlastet. Er fordert stattdessen eine Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel auf null Prozent, ein jährliches Mobilitätsgeld von 500 Euro und einen Kinderzuschlag von 100 Euro, sowie staatliche Preisbegrenzungen nach Luxemburger Modell. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Florian Oest widerspricht Reiche und fordert ein Drei-Säulen-Modell nach polnischem Vorbild: temporäre Steuersenkungen, Aussetzung der CO₂-Bepreisung und eine staatlich festgelegte Preisobergrenze, um eine effektive Entlastung zu gewährleisten und Trittbrettfahrerei der Konzerne zu verhindern. Der Druck auf Ministerin Reiche nimmt somit erheblich zu.

