Schwere Vorwürfe gegen ehemaligen Dubai-Banker – Millioneninvestments, ein versäumter Gerichtstermin und offene Fragen.
DUBAI. Einst bewegte sich Martin Linder in der internationalen Finanzwelt, leitete eine Investmentgesellschaft im Dubai International Financial Centre und konnte auf Stationen bei namhaften Häusern der Finanz- und Rechtsbranche verweisen. Heute stehen gegen den ehemaligen Banker und Juristen erhebliche Vorwürfe im Raum. Es geht um Investoren, die nach Darstellung von Beteiligten Millionenbeträge verloren haben sollen, um mehrfach vergebene wirtschaftliche Ansprüche an Unternehmensanteilen und um einen Gerichtstermin in Dubai, zu dem Linder nach den CEN24 vorliegenden Angaben nicht erschienen sein soll. Der Fall wirft inzwischen vor allem eine Frage auf: Wo befindet sich Martin Linder?
Gerichtstermin in Dubai ohne den Beschuldigten
Für den 21. September 2026 soll in Dubai ein Gerichtstermin im Zusammenhang mit Betrugsvorwürfen in Millionenhöhe angesetzt gewesen sein. Nach den vorliegenden Angaben erschienen weder Linder noch sein Strafverteidiger zu diesem Termin. Besondere Brisanz erhält der Vorgang dadurch, dass zuvor eine gegen Linder bestehende Ausreisesperre gegen Hinterlegung einer Kaution aufgehoben worden sein soll. Ob Linder die Vereinigten Arabischen Emirate anschließend tatsächlich verlassen hat und wo er sich derzeit befindet, ist auf Basis der bislang vorliegenden Informationen nicht abschließend geklärt. Ein weiterer Gerichtstermin soll für den 5. Oktober 2026 angesetzt sein.
Investments in den eigenen Arbeitgeber Im Zentrum der Vorwürfe steht Linders frühere Tätigkeit als CEO von Global Partners Ltd. im Dubai International Financial Centre. Nach Darstellung im zugrunde liegenden Material soll Linder Kontakte zu Investoren, die ursprünglich im Zusammenhang mit seiner beruflichen Tätigkeit entstanden waren, später auch für private Beteiligungsgeschäfte genutzt haben. Investoren soll dabei die Möglichkeit angeboten worden sein, wirtschaftliche Rechte an Linders persönlicher Beteiligung an Global Partners zu erwerben. Mit diesen Beteiligungen sollen unter anderem Ansprüche auf Ausschüttungen aus bestehenden Investments beziehungsweise Immobilienfonds verbunden gewesen sein. Für Investoren dürfte das Angebot auf den ersten Blick plausibel gewirkt haben: ein etablierter Finanzplatz, repräsentative Geschäftsräume im ICD Brookfield Place und ein Manager mit beruflichen Stationen bei renommierten Unternehmen. Doch genau hier beginnen die entscheidenden Fragen.
Durfte Linder seine Beteiligung überhaupt übertragen?
Nach den vorliegenden Angaben soll Linder nicht berechtigt gewesen sein, seine Aktien ohne Zustimmung weiterer Anteilseigner frei zu verkaufen, zu verpfänden oder anderweitig wirtschaftlich zu verwerten. Die Scheidung als Begründung für den Verkauf Gegenüber Investoren soll Linder erklärt haben, dass er aufgrund einer kostspieligen Scheidung Liquidität benötige und deshalb Teile seiner Beteiligung wirtschaftlich verwerten wolle. Eine solche Erklärung konnte insbesondere vor dem Hintergrund seiner damaligen Position glaubwürdig erscheinen. Linders beruflicher Lebenslauf umfasste nach den vorliegenden Angaben unter anderem Tätigkeiten beziehungsweise Verbindungen zu Bär & Karrer, Bank Vontobel, Partners Group und Goldman Sachs. Gerade diese Reputation könnte eine entscheidende Rolle dabei gespielt haben, dass Investoren bereit waren, erhebliche Summen zu investieren. Auszahlungen sollen ausgeblieben sein Spätestens im Laufe des Jahres 2025 sollen erste Investoren auf ausstehende Zahlungen aufmerksam geworden sein.
Nach Darstellung der Betroffenen seien zugesagte beziehungsweise erwartete Ausschüttungen nicht erfolgt. Stattdessen soll es wiederholt zu Verzögerungen und Vertröstungen gekommen sein. Schließlich soll mindestens ein Investor Strafanzeige beim Criminal Investigation Department in Dubai erstattet haben. Linder sei daraufhin festgenommen und vernommen worden. Im Rahmen dieser Vernehmung soll er sinngemäß erklärt haben, dass die ausstehenden Beträge zurückgezahlt würden und die Situation lösbar sei. Ob und in welchem Umfang diese Aussage tatsächlich protokolliert wurde, müsste anhand der Ermittlungs- beziehungsweise Gerichtsakten verifiziert werden. Den vorliegenden Angaben zufolge meldeten sich in weiterer Folge zusätzliche Investoren, die vergleichbare Geschäfte mit Linder abgeschlossen haben wollen. Auch private Darlehen sollen eine Rolle spielen. Luxusleben trotz wachsender Forderungen Parallel dazu soll Linder weiterhin einen ausgesprochen kostspieligen Lebensstil geführt haben. Besonders auffällig ist eine im Ausgangsmaterial geschilderte Reise nach Courchevel im Winter 2025.
Demnach sollen Familienangehörige seiner damaligen Lebensgefährtin per Privatjet angereist und hochpreisige Hotels sowie ein Chalet genutzt worden sein. Die Kosten dieser Reise werden im ursprünglichen Material mit rund zwei Millionen US-Dollar beziffert. Für diese Summe liegt bislang keine unabhängige Bestätigung vor. Sie ist daher als Behauptung aus dem zugrunde liegenden Material zu verstehen. Sollte sie sich bestätigen, wäre insbesondere die Finanzierung dieser Ausgaben in einem Zeitraum relevant, in dem Investoren nach eigener Darstellung bereits auf erhebliche Zahlungen warteten.
Neue Gesellschaft im selben Finanzzentrum
Nach seinem Ausscheiden bei Global Partners soll Linder mit der Sovereign Capital Ltd. eine neue Gesellschaft gegründet haben. Bemerkenswert ist dabei nach Darstellung des Ausgangsmaterials die räumliche Nähe: Das Unternehmen soll nur wenige Stockwerke von seinem früheren Arbeitsplatz im ICD Brookfield Place beziehungsweise im selben Gebäudekomplex angesiedelt worden sein. Der geschäftliche Schwerpunkt soll unter anderem auf Investments in Albanien gelegen haben. Der ursprüngliche Text bringt diese Gesellschaft zudem mit möglichen Geldwäschevorwürfen in Verbindung. Für eine solche Feststellung liefert das vorliegende Material jedoch keine ausreichenden Belege. Eine seriöse Bewertung müsste deshalb insbesondere klären, welche Kapitalgeber hinter Sovereign Capital stehen, welche Transaktionen tatsächlich durchgeführt wurden und ob Ermittlungsbehörden einen Zusammenhang mit anderen Verfahren sehen.
Verbindung zu Benjamin Mauerberger?
Der Ausgangstext stellt zudem eine Verbindung zwischen Linder und Benjamin Mauerberger her. Demnach soll Mauerberger zu einem früheren Zeitpunkt als potenzieller Investor bei Global Partners vorgeschlagen worden sein, von der Gesellschaft jedoch nach einer internen Prüfung abgelehnt worden sein. Weitergehende Behauptungen über einen gemeinsamen Aufenthaltsort oder eine mögliche gemeinsame Flucht sind auf Grundlage der bislang vorliegenden Informationen nicht belegt. Auch Angaben über internationale Haftbefehle beziehungsweise konkrete strafrechtliche Vorwürfe gegen Mauerberger sollten vor Veröffentlichung anhand offizieller Behördenquellen überprüft werden.
Viele Millionen – und viele offene Fragen
Der Fall Martin Linder ist damit längst mehr als eine Auseinandersetzung zwischen ehemaligen Geschäftspartnern. Im Raum stehen erhebliche finanzielle Forderungen, mehrere Investoren, komplexe Beteiligungsvereinbarungen und ein Strafverfahren in Dubai. Entscheidend wird nun sein, was die Ermittlungs- und Justizbehörden tatsächlich feststellen können. Dabei geht es insbesondere um folgende Fragen: Welche Beteiligungen und Zahlungsansprüche wurden Investoren konkret zugesagt? Wurden identische oder miteinander unvereinbare Rechte mehrfach vergeben? Wo sind die von Investoren gezahlten Gelder geblieben? Welche Vermögenswerte stehen den Forderungen gegenüber? Und schließlich: Wo befindet sich Martin Linder heute? Für den 5. Oktober 2026 soll ein weiterer Gerichtstermin angesetzt sein. Ob Linder dort persönlich erscheinen wird, bleibt offen. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gilt die Unschuldsvermutung.

