Die 14. Paralympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo starteten offiziell mit einer politisch aufgeladenen und kühlen Eröffnungsfeier im römischen Amphitheater von Verona. Zwölf Tage nach den Olympischen Spielen marschierten 28 der 55 teilnehmenden Nationen ein, darunter auch Russland und Belarus, deren Präsenz im Vorfeld für Kontroversen sorgte. Die Veranstaltung war geprägt von zahlreichen leeren Plätzen in der Arena, was die angespannte Atmosphäre zusätzlich unterstrich. Der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella eröffnete die Spiele feierlich, doch die politische Dimension war unübersehbar.
Eine Besonderheit der Zeremonie war, dass keine Athleten als Fahnenträger fungierten. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) begründete dies mit den weiten Wegen zwischen Verona und den Wettkampforten, die eine Teilnahme der Teams erschwert hätten. Stattdessen wurden die 55 Fahnen von Freiwilligen in die Arena getragen. Aus Platzgründen konnten nur jeweils zwei Athleten und Offizielle pro Nation an der Feier teilnehmen, die hinter den Fahnenträgern liefen, oft ergänzt durch vorab aufgezeichnete Videos der restlichen Teams. Für Deutschland waren Monoskifahrerin Anna-Lena Forster und Eishockey-Routinier Jörg Wedde nominiert, während die alpinen Athleten die Feier im Deutschen Haus verfolgten.
Mehrere Länder, darunter Tschechien, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen und die Ukraine, boykottierten die gesamte Zeremonie als direkten Protest gegen die Zulassung russischer und belarussischer Sportler unter eigener Flagge und Hymne. Kanada, Großbritannien, Deutschland und Frankreich hingegen verzichteten laut IPC aus sportlichen Gründen auf eine Teilnahme und deklarierten dies nicht als Boykott. Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) hatte seine Entscheidung, sich nicht an der Athletenparade zu beteiligen, jedoch explizit mit der Konzentration auf die bevorstehenden Wettkämpfe sowie der Solidarität mit der Ukraine begründet, was eine Mischung aus praktischen und politischen Motiven impliziert. Die Entscheidung wurde in engem Dialog mit dem Team getroffen, so der DBS-Vorsitzende.
Insgesamt nehmen 611 Aktive aus 55 Ländern in sechs Para-Sportarten an den 14. Winter-Paralympics teil. Unter ihnen befinden sich sechs russische und vier belarussische Sportler, die Wildcards erhalten haben und deren Teilnahme die politischen Spannungen weiter befeuerte. Der Iran sagte die Teilnahme seines einzigen Starters kurzfristig ab, aufgrund der unsicheren Anreise angesichts des Kriegs in Nahost. Deutschland ist mit 40 Aktiven und acht Guides vertreten, was das zweitgrößte deutsche Aufgebot in der Geschichte der Winter-Paralympics darstellt, mit Ausnahme des Curlings, wo keine deutschen Sportler starten. Die Spiele versprechen trotz der atmosphärischen Belastungen sportliche Höchstleistungen.

